Praktische Ratschläge für das tägliche Leben V

Lebe weder in der Gegenwart noch in der Zukunft, sondern im Ewigen. Das Riesenunkraut (des Bösen) kann dort nicht blühen; schon der Hauch eines Gedankens an das Ewige löscht diesen Fleck am Dasein aus.
Herzensreinheit ist eine notwendige Vorbedingung, wenn man das „Wissen des Geistes“ erlangen will. Es gibt zwei Hauptmittel, durch welche diese Reinigung erreicht werden kann. Zuerst: jage mit Ausdauer immer wieder jeden bösen Gedanken fort; und zweitens: bewahre Gleichmut in allen Verhältnissen, sei niemals über irgend etwas erregt und gereizt.
Du wirst finden, daß diese beiden Mittel der Selbstreinigung am besten durch Hingabe und Liebe gefördert werden. Wir dürfen nicht müßig dasitzen und keinen Versuch machen, vorwärts zu schreiten, weil wir uns nicht rein genug dazu fühlen. Jeder soll emporstreben, aber er muß es mit dem richtigen Ernst und in der richtigen Weise tun, und der erste Schritt auf dem Wege ist die Reinigung des eigenen Herzens.
Das Denken bedarf jedesmal einer Reinigung, wenn man Zorn gefühlt oder eine Unwahrheit gesagt hat, oder wenn man die Fehler eines anderen ohne Not enthüllt hat, jedesmal, wenn man etwas nur aus Schmeichelei gesagt oder getan hat, oder wenn man jemanden durch Unaufrichtigkeit in Wort oder Tat getäuscht hat.
Wer nach Erlösung strebt, sollte Sinnenlust, Zorn und Gier meiden, er sollte sich eines mutigen Gehorsams gegenüber den heiligen Schriften befleißigen, das Studium spiritueller Philosophie pflegen und Ausdauer in ihrer praktischen Verwirklichung erlangen.
Wer sich von selbstsüchtigen Erwägungen leiten läßt, kann nicht in den Himmel eingehen, denn dort gibt es keine persönlichen Gedanken. Wer nicht an den Himmel denkt, sondern zufrieden ist, dort, wo er steht, der ist bereits im Himmel während der Unzufriedene vergebens nach ihm ruft. Ohne persönliche Wünsche zu sein, bedeutet frei und glücklich zu sein, und das Wort „Himmel“ kann keine andere Bedeutung haben als einen Zustand der Freiheit und des Glückes. Der Mensch, der wohltätige Handlungen aus Hoffnung auf Belohnung ausführt, ist nicht glücklich, wenn er die Belohnung nicht erhält, und sobald er sie erhalten hat, endet sein Glück. Es kann keine bleibende Ruhe und kein bleibendes Glück geben, solange Arbeit ungetan ist; die Erfüllung der Pflicht trägt ihren Lohn in sich.
Wer sich für heiliger hält als einen anderen, wer im geringsten stolz darüber ist, daß er von Laster und Torheit frei sei, wer sich selbst für weise oder irgendwie seinen Mitmenschen überlegen hält, ist unfähig, ein Schüler zu sein. Der Mensch muß wie ein kleines Kind werden, ehe er in das Himmelreich eingehen kann. Tugend und Weisheit sind erhabene Dinge, aber wenn sie Stolz hervorrufen oder ein Gefühl der Getrenntheit von den übrigen Menschen, sind sie nur die Schlangen des Ich, die in einer feineren Form Wiedererscheinen. Aufopferung oder Hingabe des Herzens und seiner Gefühle ist die erste der Regeln; sie bedingt „das Erlangen eines Gleichmutes, der durch persönliche Gefühle nicht erschüttert werden kann“.
Durch Glauben wird das Herz von Leidenschaft und Torheit gereinigt; daraus folgt Herrschaft über den Körper und zuletzt die Unterwerfung der Sinne.
Setze deine guten Absichten stets ohne Verzögerung in die Tat um und gestatte keiner einzigen, ein bloßer Vorsatz zu bleiben. Unser einziges rechtes Verhalten ist aber, die Tat selbst den Beweggrund zur Tat bilden zu lassen und nicht ihren Lohn, uns nicht durch die Hoffnung auf ihre Früchte zu einer Tat anspornen zu lassen und nicht einer Neigung zur Trägheit nachzugeben.
Die Kennzeichen des erleuchteten Weisen sind:
1. Er ist frei von Wünschen und weiß, daß das wahre Ego, der höchste Geist, allein Seligkeit bedeutet, alles andere aber Schmerz.
2. Er ist frei von Anziehung oder Abstoßung gegenüber allem, was ihm begegnet, und er handelt ohne Rücksicht auf vorgefaßte Begrenzungen und Zielsetzungen.
3. Zuletzt erlangt er die Unterwerfung der Sinne, die nutzlos ist ohne die zweite Eigenschaft, ja oft sogar nachteilig, da sie Heuchelei und geistigen Hochmut erzeugt. Aber auch die zweite Eigenschaft ist von wenig Nutzen ohne die erste.
Wer nicht praktischen Altruismus pflegt, wer nicht bereit ist, seinen letzten Bissen mit einem anderen zu teilen, der schwächer oder ärmer ist als er, wer es verabsäumt, seinem Mitmenschen zu helfen, wo immer er ihn leiden sieht, und welcher Rasse, welchem Volk, welchem Glauben immer er angehören mag, wer sich dem Schrei des menschlichen Elends taub zeigt, wer hört, wie ein Unschuldiger verleumdet wird, und ihn nicht verteidigt, als wäre es er selbst, der ist kein Theosoph.

(HELENA PETROWNA BLAVATSKY)

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