Herr des unberührten Waldes

Stille liegt über dem unberührten Wald, das Licht der Sterne verblasst, der Wind ist in den Zweigen verklungen, nur ein Schatten rührt sich. Er ist es! Er ist der Hirsch im Mondlicht, der einsame Hengst auf dem Hügel, der Bulle, der im Gras scharrt, der Lachs, der im Bächlein springt. Jeder ist ein Teil des Jägers, des Gottes, der in der Dunkelheit lebt. Er ist der Herr des Wilden und Verborgenen, der kleine atmende Funke bei Mitternacht. Der strahlende Glanz des Sonnenaufgangs, die grüne Natur, die sich im Frühling erhebt. Sein ist die Kraft des Gewitters, die Stärke im Flügel des wilden Adlers. Er ist die Stimme der Panflöte, die Macht, die das Land regiert. Aber sie ist seine Frau und Mutter, und er ruht in der Fläche ihrer Hand.

(aus: A Witch Alone, Marian Green, 1991)

Das Weiche und Schwache

Der Mensch, wenn er ins Leben tritt,
ist weich und schwach,
und wenn er stirbt,
so ist er hart und stark.
Die Pflanzen, wenn sie ins Leben treten,
sind weich und zart,
und wenn sie sterben,
sind sie dürr und starr.
Darum sind die Harten und Starken
Gesellen des Todes,
die Weichen und Schwachen
Gesellen des Lebens.

Darum:
Sind die Waffen stark, so siegen sie nicht.
Sind die Bäume stark, so werden sie gefällt.
Das Starke und Große ist unten.
Das Weiche und Schwache ist oben.

Laotse
(aus dem Tao Te King)

Sinn / Leben

Der SINN erzeugt.
Das LEBEN nährt.
Die Umgebung gestaltet.
Die Einflüsse vollenden.
Darum ehren alle Wesen den SINN
und schätzen das LEBEN.
Der SINN wird geehrt,
das LEBEN wird geschätzt
ohne äußere Ernennung, ganz von selbst.

Also: der SINN erzeugt, das LEBEN nährt,
läßt wachsen, pflegt,
vollendet, hält,
bedeckt und schirmt.

Laotse
(aus dem Tao Te King)

Lied der Allmutter

Ich bin die Mutter Erde, und du bist eines meiner Kinder, entdecke, wer du bist, und suche dein göttliches Wesen.
Felsen und Steine, Ton und Torf – alle Schichten sind ein Teil von mir, Juwelen und Kristalle, Edelsteine und Gold sind in meinem Herzen verborgen.
Kräuter und Blumen, Bäume und Sträucher, all das grünt auf mir, Moose und Pilze, Flechten und Weinreben, all das sieht man auf mir.
Pferde und Rinder, Schweine und Wild, Bären und Löwen laufen auf mir, Schlangen und Spinnen, Ratten und Schnecken, alle Kreaturen haben ihre Heimat auf mir.
Murmelnde Bäche und stille Quellen, rauschende Flüsse fließen auf mir, Pfützen und Tümpel, Teiche und Seen, salzige Meere gibt es auf mir.
Winzige Fische, mächtige Wale, heilige Lachse springen für mich, Tintenfische und Haie, Krill und Krabben füllen das tiefe Wasser für mich.
Zaunkönige und Lerchen, Krähen und Schwalben füllen meine Himmel mit pfeilschnellem Flug,
Falken und Adler, Fledermäuse und Eulen fangen ihre Beute bei Tag und bei Nacht.
Kriechende Würmer und fliegende Füchse, wimmelnde Ameisen erfüllen ihr Leben im Einklang mit mir,
auf dem Weg der Natur, so, wie die Honigbienen meine Bienenstöcke versorgen. Nur Menschen berauben ihresgleichen,
plündern das Land, verschmutzen das Meer, töten aus Spaß,
zerstören die Wälder, lassen vergiftete Dämpfe im Wind aufsteigen.
Ich werde leben, denn ich kann mich heilen, selbst wenn ihr Menschen sterbt,
aber du kannst lernen, wie Kinder es sollten, in Frieden unter dem Himmel zu wachsen.

(aus: A Witch Alone, Marian Green, 1991)

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑